Isabelle Weykmans

Marcel

Das war kein schöner Sonntag, der 20. Dezember 2009. Mich erreichte die Nachricht telefonisch. Der König ohne Reich ist tot. So und ähnlich titelten Le Soir oder La Libre ihre Beiträge zum Tode von Marcel Cremer. Beiträge, die übrigens mit deutlich mehr Herzblut geschrieben waren als der Nachruf in unserem Grenz-Echo!

Marcel war mit der Agora der kulturelle Botschafter Ostbelgiens schlechthin. Er war ein Glücksfall für unsere Gemeinschaft, für unsere Region. Er hat Ostbelgien nach draußen transportiert, sein Theater war immer ostbelgisch, aber nie provinziell. Sein Theater war manchmal eine Gratwanderung, aber immer eine gelungene. Mal zornig, mal heiter, oft laut, selten leise. Leise habe ich nur Marcel erlebt, als wir uns in den letzten Wochen begegnet sind, in Huy, bei der Eröffnung des Triangel, beim Theaterfest 2009, wo stehende Ovationen für Marcel Cremer und die Agora ein kleines Dankeschön der ostbelgischen Zuschauer waren, aber eines, das Marcel reichte. Ein Danke dafür, dass er – auch – ein bisschen Welt ins beschauliche Ostbelgien gebracht hat.



Und wenn du aufwachst, ist nichts mehr, wie es war“, steht auf manchen Beileidskarten. Das gilt in diesem Fall nicht nur für die Familie und die Freunde, das gilt im Fall Marcel Cremer für die gesamte ostbelgische Kulturszene. Und insbesondere für seine Agora. Bei der Marcel jetzt die Rolle seines Großvaters eingenommen hat, die des unsichtbaren Zuschauers. Marcel hat mich einmal gefragt, welche der Geschichten aus „Der unsichtbarer Zuschauer“ meine Lieblingsgeschichte sei.

Heute weiß ich es, es ist „der Horizont“: „Der Horizont, nie ist er hier und immer dort. Menschen am Horizont. Ich laufe hin. Der Horizont ist fort. Er hat sich aus dem Staub gemacht. Einfach so. Die Menschen hat er da gelassen. Gott sei Dank!“ Marcel hat einen Teil von sich hier gelassen, hier bei uns, die wir das Glück hatten, ihm begegnen zu dürfen. Danke!