Isabelle Weykmans

"Es geht sich um Folgendes …"

Da werden wir, also die DG, mal für unsere Sprache ausgezeichnet und dann dieses: Der stromaufwärts treibende Kolumnist des Grenz-Echo nimmt diese Auszeichnung zum Anlass, über mich und die anderen Ostbelgier und die Eupener und die Eifeler und unsere Sprache herzuziehen. Das gehört sich nicht! Finden jedenfalls einige Leserbriefschreiber und in den Kneipen im Umfeld des Eupener Clowns soll auch heftig diskutiert werden. Warum???

Hat der GE-Journalist denn nicht Recht?

Ich, also Ihrer alle Kulturministerin, wäre tatsächlich fähig gewesen, in einer Dankesrede besagte sprachliche Besonderheit „Es geht sich um“ zu verwenden – natürlich nur, wenn ich von der Vorlage abgewichen wäre, meine Redenschreiber haben sich in den letzten Jahren redlich bemüht, aber letztlich (noch) ohne Erfolg.

Und es wäre mir trotzdem kein Zacken aus der nicht vorhandenen Krone gebrochen, um zuzugeben: „Das war kein gutes Deutsch!“ Ich weiß das! Ich weiß auch: Da – „also wenn es sich bei mir um Folgendes geht“ – stehen einigen die Haare zu Berge, mehr noch, als wenn (ist das jetzt richtiges Deutsch?) unsere Freunde aus dem Süden Ostbelgiens „abholen“, „mitholen“ … Da ist noch keiner dran gestorben, das stimmt.

Es ist aber auch keine Sünde gegen die ostbelgische Bevölkerung, darauf hinzuweisen. Ich habe mich seit 2004 schon manches Mal gefragt: Wann geht die Schonzeit zu Ende? Merkt das denn gar niemand, dass das verkehrt ist? Nein, ich bin dem GE-Journalist nicht böse! Ich werde weiterhin täglich das Grenz-Echo lesen und das sehr aufmerksam! Zwar nicht, um besseres Deutsch zu lernen, aber sei’s drum! Wer kann die Antwort auf die Frage geben: Ist das tatsächlich falsch und wenn ja wie viel? Und: ist die Kulturministerin deshalb eine schlechte Ministerin?

Allerdings: Lieber Herr Evers, ich weiß nicht, ob Sie so lange stromaufwärts gepaddelt sind, dass Sie ganz außer Atem waren und sich erstmal ausruhen und Luft holen mussten und nicht noch ein wenig recherchieren konnten oder einfach keine Zeit hatten, weil die Personaldecke in Ihrem Unternehmen so dünn ist. Denn hätten Sie das getan, wüssten Sie und hätten Sie vielleicht auch Ihre Leser an der Gewissheit teilhaben lassen, dass das Es-geht-sich-um-Folgendes kein Alleinstellungsmerkmal der nördlichen Ostbelgier ist.

Fragen Sie mal unsere Nachbarn aus Aachen und Umgebung. Und das Holen-statt-nehmen hat einerseits nichts mit dem regionalen Eifel-Dialekt zu tun (Dialekt wäre das Platt, das in der Eifel noch vereinzelt gesprochen wird, wobei ich in diesem Zusammenhang daran erinnern darf, dass der Sprachwissenschaftler Jacob Grimm, der ja sozusagen dabei war, als die DG in Kassel den Preis überreicht bekam, laut Wikipedia zwischen Dialekt (großräumiger) und Mundart (kleinräumiger) zu unterscheiden versuchte) und wurde auch nicht im Mottes-Land erfunden, wenn ich Ihnen da ein wenig auf die Sprünge helfen darf.

Ich darf mal aus dem auch Ihnen, Herr Evers, sicher nicht unbekannten Zwiebelfisch zitieren: „Für die meisten Deutschen sind "holen" und "nehmen" zwei Verben mit unterschiedlicher Bedeutung, zwischen denen es nur selten zu Verwechslungen kommt. In Trier und Umgebung kommt es sogar noch seltener zu Verwechslungen, weil das Verb "nehmen" in der dortigen Umgangssprache praktisch nicht existiert. Wo unsereins "nehmen" sagt, da sagt der Trierer "holen". Das gilt auch für Zusammensetzungen. So fragt der Trierer: "Kannst du mich mitholen?", wenn er mitgenommen werden will. Und er überholt nicht nur andere Autos, sondern auch Verantwortung. Und wenn er erfolgreich gefastet hat, kann er voller Stolz verkünden: "Ich hab zehn Kilo abgeholt!" … Das Holen-statt-Nehmen-Phänomen ist eine Besonderheit des Moselfränkischen und daher auch im Saarland verbreitet“.

Wie gesagt, es geht sich immer drum, richtig informiert zu sein. Zum Holen statt Nehmen können Sie alles nachlesen im Zwiebelfisch.